"Ich habe keine Komplexe"
- Weltweit gefeierter Wiener Pianist im FIRST-Talk

Der weltweit gefeierte Wiener Pianist steht im Zenit seiner Ausnahmekarriere. Das FIRST-Gespräch über Genialität, eine Kindheit ohne Vater und über die Kunst der Bescheidenheit.
Herr Buchbinder, es ist zehn Uhr morgens. Haben Sie heute schon Klavier gespielt?
Nein. Ich weiß auch nicht, ob ich heute noch die Zeit dazu finden werde. Ich bin nicht der Typ, der sechs Stunden am Tag am Klavier sitzt. Das bringt überhaupt nichts, das geht nur auf die Gelenke. Ich habe auch keine festen Zeiten, ich pflege eher eine unorthodoxe Art des Arbeitens.
Wie muss ich mir das vorstellen?
Wenn ich zuhause bin, lasse ich mich sehr leicht ablenken. Sehen Sie: Ich bin hier umgeben von all meinen Hobbys. Es gibt einen Raum mit meiner Notensammlung und den Musikbüchern, einen Raum für die Literatur, einen für die Malerei und mein großes Filmarchiv. Damit beschäftige ich mich dann, und wenn mir danach ist, setze ich mich auch ans Klavier. Oft nur intensive zehn Minuten, sodass ich danach total ausgelaugt bin.
Sie gelten als vollendeter Techniker.
Natürlich muss ich ein Werk technisch perfekt beherrschen. Erst dann kann ich es auch gestalten. Hier hat mir der Kritiker Joachim Kaiser sehr geholfen. Er sagte zu mir: Mit deinen Voraussetzungen kannst du es dir leisten, viel freier zu sein. Für die spontane, momentane Interpretation. In diese fließt dann alles ein: Empfindungen, Erinnerungen, das Wissen über Werk und Musiker, das ganze Leben. Und so bin ich im Laufe der Jahrzehnte darauf gekommen, dass Wissen frei macht.
Woran machen Sie das in Ihrem Schaffen fest?
Ich habe jüngst noch einmal alle 32 Beethoven-Sonaten auf CD eingespielt. Vor 30 Jahren habe ich diese zum ersten Mal aufgenommen. Damals war ich noch wesentlich intoleranter, einfach zu sehr auf den Notentext fixiert.
Lesen Sie das ganze Interview in FIRST 02/12.










